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„If high heels were so wonderful, men would
be wearing them.“ (Sue Grafton, US-Autorin)

Q: „Frank, you have long hair.
Doesn’t that make you a woman?“
FZ: „You have a wooden leg.
Does that make you a table?“

(Aus einem Interview mit Frank Zappa,
amerikanischer Komponist, 1940-1993)
 
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Essays

„Cross-Dressing“ — „Sweet Transvestite?“

Ein, öhm, naja, Essay von SMash-Webmaster frank

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)

 

 
Frauen in Hosen sind eine Selbstverständlichkeit. Männer in Röcken ernten doofe Blicke. Seltsam, oder?

Seit meiner Jugend beneide ich Frauen um eines: ihre Freiheit in Sachen Wahl der Kleidung und besonders um ihre äußerst vielfältigen Möglichkeiten, sich mittels ihrer Kleidung als schönes, begehrenswertes und auch erotisches Wesen zu zeigen. Und zwar öffentlich. Nicht bloß toleriert, sondern beklatscht und bestaunt:

»[ ... ] how I started to cry — ‘cause I wanted to be dressed just the same.« (Tim Curry als »Frank ‘n’ Furter« im Film »The Rocky Horror Picture Show«)

Foto: frank
© H-Nu 2003
Ganz besonders hat es mir Nylon angetan: dieses seidenweiche, anschmiegsame transparente Material, das die Körperteile die es bedeckt zart und doch fest umhüllt, plastisch betont, sie gewissermaßen „hyperplastisch“ erscheinen läßt. Dieser äußerst reizvolle Kontrast und diese gelungene Gratwanderung zwischen Bekleidung und Nacktheit! Genau das wollte ich auch, jawohl.

Und noch mehr: ich wollte Röcke, um mich auch so verführerisch schön, so erotisch und begehrenswert fühlen und darstellen zu können. Also begann ich bereits als Teenager, „bei den Frauen zu klauen“. Ich fing an, Kleidung zu tragen, die nach kulturellem Konsens „eigentlich“ Frauen vorbehalten ist: Nylonstrümpfe und -Strumpfhosen, Röcke (je kürzer desto aufregender), elegante Schuhe mit Absätzen in nahezu jeder erhältlichen Höhe und seit einiger Zeit Korsetts, Bodys, Bolerojacken, ...

Lange Jahre habe ich mich nur heimlich so gekleidet, mit Furcht vor der Entdeckung, vor Lächerlichkeit oder Anfeindungen. Meine erste eigene Wohnung als Student war eine Befreiung. Später folgten vorsichtige Versuche im Kreise der SM- (und Fetisch-) Szene, zu der ich mittlerweile gefunden hatte. Aber immer noch im Verborgenen.

Nun, irgendwann hat mich der Neid auf die selbstdarstellerischen Freiheiten der Frauen in Sachen Kleidung in der Öffentlichkeit mutig gemacht: es folgte der Schritt auf die Straße, in die Öffentlichkeit. Zunächst noch mit sehr mulmigen Gefühlen und weichen Knien; später, als ich merkte, daß ich in meiner unmittelbaren Wohnumgebung außer ein paar schrägen Blicken nichts zu befürchten habe (im Gegenteil: die anerkennenden und manchmal auch bewundernden Blicke überwiegen, und die meisten schauen sowieso nicht hin) immer selbstbewußter und selbstverständlicher.

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Doch will ich in meiner Kleidung nicht als Frau erscheinen oder für eine gehalten werden. Ebensowenig wie ich in anderer Kleidung nicht bewußt als Mann erscheinen will, und ebensowenig wie eine Frau in Hosen als Mann erscheinen will. Ich mag für mich kein effeminiertes Verhalten, denn ich möchte nicht irgendjemand anderes parodieren, möchte keine bestimmte Geschlechtsrolle annehmen, sondern mich einfach wohlfühlen und mich jenseits der gängigen Klischees von „Männlichkeit“ schönfinden können.

Ehrlich gesagt ist mir mein Chromosomensatz fast immer ziemlich egal. Desgleichen die Geschlechtsrolle. Bin ich Mann oder Frau? Keine Ahnung, und das ist mir auch nicht besonders wichtig. Zwar genieße ich einen Teil der Irritation, die meine Kombination aus Minirock und Glatze bisweilen auf der Straße hervorruft, aber das gefällt mir mehr wegen meiner Vorliebe für Irritation an sich.

Ich träume von einer Zeit, in der es abgesehen von privaten, intimen Präferenzen wirklich vollkommen gleichgültig ist, für welches biologische Geschlecht (»Sex«) und für welche Geschlechtsrolle (»Gender«) sich jemand entscheidet. Bis es soweit ist, betrachte ich mich als »Cross-Dresser« (und eben nicht als Transvestit, der eine Frauenrolle annimmt) ... und betreibe mit Lust »Gender-Fucking« — das bewußte, gezielte Durcheinanderbringen von Geschlechtsrollen und den damit verbundenen Stereotypen.

Geht es jemandem ähnlich? Oder ganz anders? Ich würde mich über Gedanken-, Erfahrungs- und Meinungsaustausch per E-Mail freuen!

 eMail an frank.

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Zuletzt geändert am 17. Februar 2005.
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