SMash — die SM-Gruppe in Frankfurt am Main
Über uns Aktivitäten Schwarzmalerei Links Kontakt
 
•Einleitung
•Essays: Überblick
•Filmkritiken: Überblick
•Buchkritiken: Überblick
•Musiktips: Überblick
•SMash-Drucksachen
•Fundsachen
„Die Lust am Bösen ist unsterblich.“
(Ingrid Noll, deutsche Kriminalautorin)
 
Einfache Orientierung mit dem INHALTSVERZEICHNIS. Kontakt per E-MAIL.
 
Essays

Uniformfetischismus — eine „politisch unkorrekte“ Leidenschaft?

von SMash-Autor Mathias.

DRUCKVERSION (Schwarzer Text auf weißem Grund)


Kapitelübersicht:

•Die SM-Szene — uniform?
•Der moralische Aspekt
•Die Wurzeln der Leidenschaft
•Authentizität!
•Der Funktionär — eine machterotische Rolle
•Von der Vision zur Wirklichkeit


Die SM-Szene — uniform?

Als historisch interessierter Liebhaber und Sammler von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen bewaffneter Staatsorgane (paramilitärische Formationen, Polizei und, in erster Linie, Militär) aller Länder und Epochen (hauptsächlich derer Europas, Russlands bzw. ehemaliger Sowjetunion und der USA, 19./20. Jh.) vermisse ich ein entsprechendes Angebot in der SM-Szene, um meine Phantasien mit Interessierten und Gleichgesinnten austauschen und leben zu können. Gibt es kein entsprechendes Interesse?

Der vorherrschende „Dresscode“ der SM-Szene sowie die damit zum Ausdruck gebrachten Phantasien sind durchgängig geprägt durch eine nicht näher definierte, mittelalterlich anmutende Phantasiesymbolik, die sich vorwiegend in schwarzen Stiefeln, Lederkleidung und Henkersmasken ausdrückt, um hier nur einige besonders markante Standard-Accessoires zu nennen. Bei dieser Form von SM bewegt man sich in einem zeitlichen und geographischen Niemandsland, was den eigenen Phantasien ihren realen Schrecken nimmt und sie moralisch „entschärft“, da ja kein Bezug zu vergangenen oder zeitgenössischen Ereignissen in der Außenwelt besteht.

Das läßt mich völlig kalt. Meine Phantasien bedürfen eines genau definierten historisch-geografischen Schauplatzes. Alles muß stimmig sein und einen Bezug zu realen Ereignissen und Personen der Vergangenheit oder Gegenwart in der Außenwelt haben. Dabei erlaube ich mir zwar manchmal, in meiner Innenwelt Ereignisse, Schauplätze und Personen zu verändern oder hinzuzufügen, dies aber immer in engem Kontakt zum realen historischen Hintergrund der Geschichte.

•Zurück zum Seitenanfang

Der moralische Aspekt

Dieser reale historische Hintergrund provoziert die Frage nach dem moralischen Aspekt meiner Obsession: „Ist Uniformfetischismus eine politisch unkorrekte Leidenschaft?“

Da moralisches Empfinden wie alle Gefühle zuerst immer eine individuelle Angelegenheit ist, hier eine kurze Beschreibung meiner Einstellung:

Als entschiedener Individualist lehne ich jede Form von Gruppenzwang und organisiertem Massenhandeln ab. Diese Grundeinstellung wurde maßgeblich durch meine Beschäftigung mit der Geschichte, vor allem mit den totalitären Ideologien des vergangenen Jahrhunderts und ihren verhängnisvollen Auswirkungen bis in unsere Tage, geprägt.

Jeder Absolutismus, der das Individuum als Bestandteil einer gesichtslosen manipulierbaren Masse sieht, die je nach Belieben einsetz- und „verheizbar“ ist, findet meine Verachtung und entschiedene Ablehnung; ebenso die Vertreter derselben, egal aus welcher politischen Ecke sie kommen oder wie rein und edel ihre Absichten auch vorgeblich sein mögen.

DIE WAHRHEIT, egal ob politischer oder religiöser Natur, gibt es nicht — auch wenn ein solcher Irrglaube für die geistig trägen Mitläufer bequem und angenehm ist, können sie doch ihre individuelle Verantwortung an der Garderobe des jeweilgen Regimes abgeben und im Namen von Führer, Partei und Vaterland jedes Verbrechen an ihren Mitmenschen begehen. Den Mitläufern gilt meine besondere Verachtung, denn ohne die Millionen zählenden schlechten Kopien des jeweiligen „Führers“ hätte es einen Lenin, Mussolini, Hitler oder Stalin nie gegeben.

Es existieren so viele Wahrheiten wie es Menschen gibt, und jede hat ihre Daseinsberechtigung, solange sie anderen Menschen nicht aufgezwungen wird oder ihnen Schaden zufügt.

•Zurück zum Seitenanfang

Die Wurzeln der Leidenschaft

Soviel zu meinem moralisch-politischen Standpunkt. Kommen wir nun zu meinem erotisch-fetischistischen Standpunkt:

Vorbild und Geburtshelfer meiner Obsession war mein Vater, von Beruf Polizeibeamter. Als Kind sah ich ihn sehr oft in Uniform wenn er zum Dienst ging oder von diesem nachhausekam. Das weckte mein Interesse für Uniformen und für das Millieu ihrer Träger. Die entsprechenden Vorbilder für meine Rollenspiele, „Gute“, aber auch sehr bald „Böse“, die eine mir damals unheimliche, starke Anziehung auf mich ausübten, holte ich mir aus dem Fernsehen.

Das erste Stück meiner späteren Sammlung war eine Mütze der Verkehrspolizei mit weißem Kunstlederschirm, die mir ein Kollege meines Vaters 1974 schenkte. Mit achtzehn begann ich, zielgerichtet Uniformen zu sammeln, mit dem Schwerpunkt auf Militäruniformen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Inzwischen besitze ich eine interessante Sammlung von Originalstücken und originalgetreuen Replikaten.

Warum sammle ich sie, was fasziniert mich so an ihnen?

Ich genieße nicht nur das Gefühl des Uniformstoffes auf der Haut und den Geruch von blankgeputztem, glänzendem Leder, sondern auch die durch Uniformen symbolisierten „Prinzipien der Macht“ — Verläßlichkeit und Sicherheit durch verbindliche hierarchische Strukturen, welche absolute Kontrolle über Untergebene und deren Loyalität gegenüber Vorgesetzten garantieren sollen — üben im Rahmen eines entsprechenden Rollenspiels eine starke erotische Anziehung auf mich aus.

•Zurück zum Seitenanfang

Authentizität!

Im Mittelpunkt des Rollenspiels steht für mich die zur jeweiligen Geschichte passende Uniform. Das Original, notfalls ein originalgetreues Replikat; keine schlechte Kopie, wie man sie aus manchen US-Kriegsfilmen über den Zweiten Weltkrieg kennt. Diese Uniform muß elegant sein und meinen Körper vorteilhaft zur Geltung bringen, mit dezenten Dienstgradabzeichen, nicht operettenhaft-überladen, aber auch kein gesichtsloses „Camouflage“-Drillichzeug.

Ich bevorzuge Dienst- und Ausgehuniformen, maßgeschneidert für Offiziere und Berufsunteroffiziere oder konfektioniert aus der Kammer für Mannschaftsdienstgrade, entsprechend meiner jeweiligen Rolle. Am liebsten hochgeschlossen, alternativ mit offenem Revers und Binder, Lederkoppel mit Schulterriemen, für Mannschaften einfaches Koppel, kombiniert mit Breeches-Hosen mit Schaftstiefeln oder mit geradegeschnittenen Hosen und Halbschuhen.

Beispiele für meinen Stil sind die khakifarbenen westalliierten (französisch-britisch-amerikanischen) Mannschafts- und Offiziersuniformen beider Weltkriege, insbesondere die der U.S. Army aus dem Ersten Weltkrieg. Aber auch „politisch unkorrekte“ Uniformen wie zum Beispiel die der Roten Armee, der Miliz (Polizei) und der Geheimpolizei (Tscheka, GPU, OGPU, NKWD, MWD, KGB) oder die der deutschen Wehrmacht und der SS sprechen mich an — zum einen aus ästhetischen Gründen, zum anderen aber auch gerade wegen ihres sinistren Charakters.

•Zurück zum Seitenanfang

Der Funktionär — eine machterotische Rolle

Ich bevorzuge die Rolle des kühl-distanzierten Polizei- oder Militärfunktionärs, der personifizierten Arroganz staatlicher Macht.

Dieser Funktionärstyp ist kein politisch naiver Idealist oder gar Fanatiker, der an das vorgegebene Ideal oder an den Führer glaubt. Dafür kennt er als ranghoher Kulissenschieber und Puppenspieler die Realität hinter den Fassaden des Regimes viel zu gut. Nein, er glaubt nur an sich selbst, an seinen Willen zur Macht und an den Staat als höchste Form organisierter Macht die ihm, dessen Diener, persönliche Macht über andere Menschen als Lehen überträgt.

Die breite Masse der Mitläufer und Ideologen sind diesem Praktiker der Macht zutiefst suspekt: was er ist, ist er aus sich selbst heraus, aus ureigener Überzeugung, und bei allem, was er auch an moralisch Verwerflichem tut in seiner Funktion, ist er dabei doch ein ehrlicher, wahrhaftiger, wenn auch wahrhaftig „böser“ Mensch.

In seinem tiefsten Innern ist er ein früh von der Welt und den Menschen enttäuschter, emotional selbstverkrüppelter Charakter (was ihm in manchen Momenten auch selbst zu Bewußtsein kommt) — ein Charakter, der aus seinen meist negativen Lebenserfahrungen die Einstellung gewonnen hat, daß alle Menschen im Grunde ihres Herzens schlecht sind und nur die Macht des Stärkeren sie bändigen und kontrollieren kann.

Für ihn gibt es nur zwei Arten von Menschen: Herren und Sklaven. Er zählt sich zu den ersteren, da er jederzeit bereit ist, alles zu tun um seine Ziele zu erreichen — ohne Rücksicht auf moralische oder persönliche Bindungen. Solche „Schwächen“, die ihm, dem kalten Rationalisten im „Lebenskampf“ als überflüssig und störend erscheinen, unterdrückt er erfolgreich in sich. Seine Innenwelt ist ein totalitärer, hierarchisch organisierter Machtapparat, und er sucht und findet eine entsprechendes Gegenstück in der Außenwelt.

Diese psychische Konstellation macht ihn zum idealen Kandidaten für eine Karriere im Polizei- oder Militärapparat eines autoritären Staates. Er bahnt sich seinen Weg nach oben — vielleicht sogar bis an die Spitze der Hierarchiepyramide.

Die Angst, das Grundgefühl seines Lebens von frühester Jugend an und eigentliche Triebfeder seines Handelns (zum Beispiel die Angst vor einer Verschwörung innerhalb des Systems) ist sein ständiger Begleiter, eine je nach Streßsituation mehr oder weniger stark ausgeprägte Paranoia fester Bestandteil sowohl seines Innenwelt- wie auch des Außenweltsystems, in dessen Diensten er steht.

•Zurück zum Seitenanfang

Von der Vision zur Wirklichkeit

Interessante cineastische Beispiele für den oben beschriebenen Charaktertyp des Funktionärs sind unter anderem der SS-Hauptsturmführer Aschenbach (dargestellt von Helmut Griem) in Luchino Viscontis Werk »Die Verdammten« (»La Caduta degli Dei«, Italien/Deutschland, 1968/69), sowie Jewgraf Schiwago (Alec Guinness), Tschekist der ersten Stunde und zukünftiger KGB-Generalmajor, Halbbruder des Arztes und verfemten Poeten Jurij (Omar Sharif) aus David Leans Meisterwerk »Doktor Schiwago«.

Die Philosophie der uniformierten Staatsdiener, die nur ihrem Beruf verpflichtet sind, bringt der korpulent-joviale Wehrmachtsoberst Steinhäger (Gert Fröbe) — kein eiskalter Karrierist wie meine bevorzugten Charaktere, sondern ein gewissenhafter, kleinbürgerlicher Beamter, Mitarbeiter der deutschen Abwehr im Zweiten Weltkrieg — in einem Gespräch mit dem britischen Safeknacker und Doppelagenten Eddie Chapman (Christpher Plummer) auf den Punkt: „Ja, ich bin nur ein Polizist, und ich bin stolz darauf. Ich war Polizist unter dem Kaiser und in der Republik, und ich werde es auch nach dem Krieg wieder sein. Egal, ob Deutschland von Kommunisten oder Nationalsozialisten regiert wird, alle brauchen sie die Polizei.“

Soviel zu meinen bevorzugten Charakteren.

Von der Vielfalt sinistrer Seelen sich erotisch angezogen zu fühlen, sie in gewisser Hinsicht sogar zu verstehen heißt nicht, Taten wie die ihrigen moralisch zu rechtfertigen. Für diese gibt es keine Rechtfertigung, da sie die Rechte anderer Menschen auf brutalste und nicht wiedergutzumachende Weise verletzen — bis hin zum Mord, dem schwersten und endgültigsten aller Verbrechen.

Durch die intensive Beschäftigung mit diesen Charakteren und ihren Beweggründen wurde mir jedoch bewußt, daß deren Eigenschaften potentiell auch in mir vorhanden sind — wie wohl in der Seele eines jeden Menschen.

Ich nenne es „die dunkle Seite“.

Ich habe gelernt, sie zu akzeptieren; vor allem die Tatsache, daß sie für mich seit meiner Kindheit eine beständige Quelle erotischen Vergnügens darstellt. Heute bekenne ich mich zu dieser dunklen Seite, was meine Persönlichkeitsentwicklung im positiven Sinne nur gefördert hat, und möchte sie zusammen mit interessierten Personen ausleben.

Die Leserinnen und Leser dieser Zeilen die sich angesprochen fühlen, können über SMash mit mir in Kontakt treten. Alles weitere wird sich dann, je nach Interessenlage, ergeben.

Alles kann, nichts muß.

Mathias

 Kontakt per eMail über den SMash-Webmaster.

•Zurück zum Seitenanfang

 


Über uns | Aktivitäten | Schwarzmalerei | Links | Kontakt

URL dieser Seite: http://www.sm-ffm.de/schwarzessay-uniform.htm
Zuletzt geändert am 17. Februar 2005.
Copyright © 2001-2005 SMash Frankfurt. Alle Rechte vorbehalten.